Die Macht der Community – Beitrag von Nora Breuker, Setlog GmbH & From Fat to Finish Line

“There is immense power when a group of people with similar interests gets together to work toward the same goals.” -Idowu Koyenikan

Das Internet hat unser Leben komplett verändert. Nicht nur bestimmen jetzt soziale Netzwerke und Online Shopping unseren Alltag, wir verbringen auch weitaus mehr Zeit mit unseren Smartphones, Tablets und Notebooks als mit unseren Mitmenschen.
Da ist es kein Wunder, dass Trends, Umfragen und Statistiken zeigen, wie unsere zwischenmenschlichen Beziehungen mittlerweile eine komplett andere Richtung einschlagen und wie wir das Internet immer mehr nutzen um der Realität zu entfliehen. Anstelle unseren Freunden und unserer Familie persönlich zu erzählen wie unser Tag war, posten wir es heute auf Facebook und Co. Das Internet greift tief in kommunikative und psychologische Aspekte unserer zwischenmenschlichen Beziehungen ein und verändert auch unser Kaufverhalten. Das Internet gibt den Menschen die Macht sich egal wo sie sind über alles zu informieren und so auch die Unternehmen zu einem Umdenken zu zwingen. Aber ist der enorme Einfluss, den Social Media und das Internet auf den Menschen, sowie auf Unternehmen und Kundenhaben, nur negativ?

Community macht den Unterschied

Man mag die Einflüsse des Internets und der sozialen Netzwerke verteufeln und sich zu den Zeiten zurücksehnen an denen man noch lange durch die Einkaufsstraßen gebummelt ist, Anrufe und Briefe anstelle von WhatsApp und Facebook Nachrichten erhielt und man nicht selber dem Trend verfallen war jedes Krankheitssymptom erstmal zu googlen.
Wäre da nicht der extrem wichtige und immer einflussreicher werdende Aspekt der Communities.
Online Communities gab es schon seit Beginn des Internets. Bereits in den 70er Jahren haben sich eine Handvoll Nerds auf Bulletin Boards – frühen Message Boards – ausgetauscht und nutzergenerierte Inhalte verwaltet. Es folgten die Foren, die vor allem in der Gaming Industrie und bei Fans der Entertainment Industrie hohen Anklang fanden.
Dank der Explosion des virtuellen Handels, Online Shopping und dem digitalen Auftritt von Firmen, ist auch das Interesse der Kunden gewachsen sich jetzt und sofort über Produkte zu informieren und dafür Communities zu nutzen.
Das Internet gibt ihnen die Macht schnell und einfach an Informationen zu kommen, Produkte zu vergleichen und zu recherchieren. Wer ruft schon noch gerne im Support an, wenn er ein Problem hat? Heute suchen wir hierzu Online Communities auf, um mit anderen Usern zu sprechen und schneller eine Lösung zu finden. Genauso posten wir lieber auf Twitter, wenn wir unzufrieden mit der Leistung einer Firma sind, anstelle uns durch stundenlange Telefonate durchzukämpfen. Mit Erfolg. Hat man früher Ewigkeiten in Warteschleifen verbracht, können sich die Unternehmen es heute nicht mehr leisten nicht sofort auf einen negativen Tweet oder Post zu reagieren.

Marken setzen auf das Gefühl der Gemeinschaft

Selbst die großen Internetriesen haben den Trend der Communities wahrgenommen und umgesetzt. 2017 hat Facebook bekannt gegeben, dass neben dem Developer’s Circle (der ebenfalls Community getrieben funktioniert) Facebook Groups nun den absoluten Fokus des Social Media Großkonzernes ausmachen werden. Mark Zuckerberg erklärte den neuen Fokus des Konzernes im Forbes Magazine folgendermaßen:
„Ich denke, es gibt gerade dieses kollektive Gefühl, dass wir eine Verantwortung haben, mehr zu tun und dabei zu helfen Gemeinschaften aufzubauen. Menschen dabei zu helfen neue Perspektiven und neue Menschen kennenzulernen – nicht nur den Menschen eine Stimme zu geben, sondern auch dabei zu helfen, eine gemeinsame Basis zu schaffen, damit sie tatsächlich gemeinsam vorankommen können“.
Trotz der unendlich Weiten die das Internet uns bietet und die Möglichkeit sich in virtuellen Realitäten zu verlieren, sehnen sich die Menschen trotz allem immer noch nach Verbundenheit. Diesen Trend nutzen auch andere bekannte Marken wie Apple, Harley-Davidson und Starbucks und bauen um ihre Produkte eingeschworene Gemeinschaften anstelle eines Kundenstammes. Ihre Kunden kaufen nicht bei ihnen, weil es die besten Produkte auf dem Markt sind, sondern weil die Unternehmen es verstanden haben sie zu Evangelisten zu machen und in einer Community zusammen zu bringen.
Ein Apple Handy zu besitzen, eine Harley-Davidson zu fahren oder Starbucks Kaffee zu trinken wird eher mit einem eigenständigen, positiven Lebensgefühl verbunden, als nur einen Nutzen zu stiften. Dafür tun die Unternehmen viel und bieten ihren Kunden etliche Möglichkeiten sich miteinander zu vernetzten und auszutauschen.
Die unterschiedlichen Formen von Communities – sei es um den altbewehrten Support abzulösen, die eigene Produktinnovation voran zu treiben, oder gar Kunden zu Brand Advocates umzuwandeln – geben den Unternehmen viel Macht und Spielraum in ihren Marketingmaßnahmen. Aber wie funktioniert der Aufbau einer Community in der Praxis?

Wie Community das Leben verändern kann

Ich selber bin nach wie vor ein großer Fan von sozialen Netzwerken und digitalen Welten. Dennoch bin ich der Meinung, dass Communities den großen Unterschied in der nahen Zukunft machen wird. Mein eigenes Leben ist schon immer tief mit Communities verwurzelt gewesen und dies schon weit bevor ich mir dessen überhaupt bewusst war.
Schon früh habe ich mich in Foren aufgehalten und habe dort viele Freundschaften aufgebaut, die sich auch auf das reale Leben übertrugen. Als Marketerin und Event Managerin habe ich mich auch beruflich viel in Communities bewegt, um mich weiterzubilden oder Trends zu verfolgen, nie habe ich jedoch damit gerechnet, dass sich irgendwann meine gesamte Karriere darum drehen wird.
Als ich 2014 einer Facebook Gruppe mit dem Namen „From Fat to Finish Line“ beitrat, wusste ich nicht, dass dies kosmische Konsequenzen für mich haben würde. Damals wollte ich nur mein Leben mit Laufen verändern, fand die Community aufgrund des gleichnamigen Dokumentarfilmes und trat ihr bei, weil das Thema meinem damaligen Lebensabschnitt entsprach.
Ein Jahr darauf kündigte ich mit viel Unterstützung der Personen, die ich in der Lauf-Community kennen gelernt hatte, den Job, der mich schon seit geraumer Zeit unglücklich machte. Ich begab mich auf eine Reise um herauszufinden, was ich wirklich mit meinem Leben anfangen wollte. 3 Monate reiste ich durch 23 Staaten in den USA und wohnte ausschließlich bei Mitgliedern der Community. Menschen, die ich ausschließlich aus dem Internet kannte, öffneten für mich ihr zu Hause, ihre Familien und ihr Leben. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir richtig klar was für einen rohen Diamanten wir mit dieser Community tatsächlich gefunden hatten.
In Los Angeles lud mich die Produzentin des Dokumentarfilmes zu sich ein und bot mir an gemeinsam mit ihr und anderen Partnern ein Unternehmen hinter From Fat to Finish Line aufzubauen. Durch die Mitglieder der Community, die sich damals noch im niedrigen Tausender Bereich befanden, wurde uns bewusst was für ein großer, unangetasteter Markt nur darauf wartete von uns bedient zu werden. Noch dazu waren wir in der einzigartigen Situation, dass unsere potenziellen Kunden im direkten Austausch mit uns standen und wir genau wussten, was sie brauchten, sich wünschten und konnten gemeinsam mit ihnen Produkte entwickeln.
Nur wenige Monate nach meinem Trip begannen wir das Startup auf die Beine zu stellen und ich übernahm die Leitung der Community. Mittlerweile haben wir über 21.000 Mitglieder aus über 52 Ländern und organisieren jährlich zahlreiche Veranstaltungen, die auch bereits nach Europa expandiert sind.
Durch meine Arbeit als Community Director und dem Zugang zum amerikanischen Markt, wurde mir bewusst, wie weit Europa im Community Management noch hinterherhinkt. Das Potenzial was hinter dem Aufbau einer eigenen Kundengemeinschaft steckt ist enorm und noch weitestgehend unangetastet auf dem Markt hier. Dennoch lässt sich auch hier ein Umdenken feststellen und immer mehr Unternehmen sehen die Vorteile hinter einer eigenen Brand Community. Die Suche nach erfahrenen Community Managern wird immer größer und weitet sich aus. So bin auch ich in meinem Tagesjob zu Setlog gekommen, die schnell begriffen haben, dass die Zukunft im digitalen Marketing und in Community Management liegt.

 

Alle Infos zu Nora Breuker und ihrem Vortrag auf koks.digital. Setlog gehört ebenfalls zu den Supportern von koks.digital. Vielen Dank für die Unterstützung!

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