Zukunfts Gründerregion Ruhrgebiet – Interview mit Christian Lüdtke

Die Gründerallianz Ruhr hat etventure Geschäftsführer Christian Lüdtke zum Gründerkoordinator Ruhr ernannt und wir haben mit ihm ein Interview geführt, indem wir über das Ruhrgebiet als Gründerregion und die Vision dahinter gesprochen haben.

 

  • Kannst du kurz darstellen, was die Gründerallianz Ruhr ist und wer dahinter steckt?

 

Das Kern- Ziel der Gründerallianz Ruhr ist es, das Ruhrgebiet zu einer der attraktivsten Startup-Regionen in Europa zu entwickeln. Mit diesem Ziel vor Augen haben sich der Initiativkreis Ruhr – ein Zusammenschluss von mehr als 70 führenden Wirtschaftsunternehmen und Institutionen – und die Initiatoren von „Glückauf Zukunft!“ – RAG-Stiftung, RAG Aktiengesellschaft und Evonik Industries AG – zusammengetan

 

  • Was macht ein Gründerkoordinator Ruhr?

Ich bin Ansprechpartner, Coach und Mentor sowie Vermittler und Türöffner. Wenn man als Gründer Hilfe oder Unterstützung, sei es Orientierung, Vernetzung, Finanzierung oder Förderung neuer Geschäftsideen, benötigt, gibt es eine zentrale Anlaufstelle – nämlich das „Haus 5“ im Welterbe Zollverein. Ich werde aber natürlich auch sehr viel auf Veranstaltungen präsent sein, sowohl im Ruhrgebiet als auch darüber hinaus. Denn ich verstehe mich als jemand, der in Oberhausen geboren und in Duisburg aufgewachsen ist, auch als Botschafter des Ruhrgebiets.

 

  • Wenn du von einem Gründer-Ökosystem sprichst, was verstehst du darunter?

Ein Ökosystem besteht aus vielen unterschiedlichen Bestandteilen, die sich gegenseitig ergänzen. Im Ruhrgebiet gibt es mittlerweile sehr viele unterschiedliche Initiativen und Maßnahmen, die allerdings oft parallel laufen und noch wenig ineinandergreifen. Insofern ist es zunächst einmal wichtig, alle wesentlichen Informationen, Angebote und Aktivitäten für Gründer zusammenzuführen und transparent zu machen. Ein wichtiges Ziel ist es, ein wachsendes, engmaschiges Netzwerk zu schaffen. Hier spielt die hiesige Industrie ebenfalls eine ganz wichtige Rolle. Sie kann ein treibender und extrem anziehender Faktor für Startups sein, sich im Ruhrgebiet anzusiedeln. Wichtig ist: Es muss einfach sein ein Unternehmen zu gründen und vor allem in den Austausch zu gehen und gemeinsam Ideen zu entwickeln – das macht ein funktionierendes Ökosystem aus.

 

  • Was macht in Sachen Gründung den Unterschied zwischen Ruhrgebiet und bekannten Gründerregionen wie Berlin oder Silicon Valley aus?

Die einen sind eigenständige, aus sich selbst heraus gewachsene Ökosysteme. Im Silicon Valley beispielsweise wird alles der Suche und dem Aufbau des „Next Big Things“ untergeordnet. Hier konzentrieren sich in höchstem Maße Ideen, Talente, Geld und, nicht zu vernachlässigen, der entsprechende Spirit.

Im Ruhrgebiet dagegen wird das Thema Gründer-Standort häufig noch immer sehr institutionell angegangen und dann gerne auf die Vorteile der Region verwiesen: die Industrie, die hohe Universitätsdichte, die Verkehrsanbindung. Das sind ohne jeden Zweifel beste Voraussetzungen. Auf der anderen Seite hat Berlin das alles nicht und ist trotzdem ein international bedeutender Startup-Standort. Um im Ruhrgebiet also eine neue Gründerkultur zu schaffen, müssen wir uns noch stärker fragen: Was brauchen die Gründer wirklich?

 

  • Die digitale Disruption ist auch im Ruhrgebiet im vollen Gange. Wie stellt sich deiner Meinung nach die Region hier aus und welche spannenden Geschäftsmodelle sind dadurch hier entstanden?

Deutschland und das Ruhrgebiet mit der klassischen Industrie im Besonderen haben für mich das Zeug, die Digitalisierung im B2B-Bereich, was auch gerne die zweite Runde der Digitalisierung genannt wird, maßgeblich mitzugestalten oder vielleicht sogar selbst zum Angreifer zu werden. Es gilt jetzt, die klassischen Werte deutschen Unternehmertums in eine neue Ära zu überführen und sich die Erfolgsstrategien der digitalen Player wie Schnelligkeit, Daten-Kompetenz und eine radikal kundenzentrierte Herangehensweise zu eigen zu machen. Dies konsequent umgesetzt, könnte Deutschlands weltweit einzigartiges Erfolgsrezept werden.

 

  • Welche Vision hast du für die Gründerregion Ruhr? Wo siehst du das Ruhrgebiet 2020?

Das Ruhrgebiet hat gegenüber anderen Startup-Regionen einen großen Vorteil: Es hat seinen industriellen Kern bewahrt. Diesen Vorteil kann die hiesige Industrie jetzt ausspielen. Das kann perspektivisch eine enorme Sogwirkung auf Startups haben, sich im Ruhrgebiet und im Umkreis etablierter Unternehmen anzusiedeln. Bis 2020 habe wir uns als Team der Gründerallianz idealerweise überflüssig gemacht, weil ein lebendiges und vielschichtiges Ökosystem existiert.

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